Gleich neben Berlin im Museumspark Rüdersdorf

Industriegeschichte hautnah

Die Luft war zum Schneiden damals, als die Zementindustrie in Rüdersdorf den Rauch noch ungefiltert durch die hohen Schornsteine der Öfen jagte. Die Arbeit war hart, die Männer hatten zwölf Stunden Schichten, sie schleppten, heizten, transportierten den Kalk aus dem Tagebau hoch, verarbeiteten ihn, brannten ihn, alles unter schwersten Bedingungen. Heute erzählen davon noch die Industriedenkmäler und die Relikte und Geschichten der alten Zeit. Und etliche Häuser und unzählige Bauten in Berlin, darunter das Brandenburger Tor, die Lindenoper, der Berliner Dom, das Olympiastadion und auch Sanssouci – die alle eines gemeinsam haben: Sie wurden mit Rüdersdorfer Kalkstein errichtet.

Im Musemspark Rüdersdorf können Besucher auf Zeitreise gehen. Sie erfahren, welche geologischen Besonderheiten überhaupt dazu geführt haben, dass in Rüdersdorf Kalk abgebaut werden konnte. Und wie sich über die letzten 750 Jahre der Abbau immer wieder veränderte, Landstriche formte, Leben und Techniken veränderte und bis heute die Geschichte formt.

Auf 17 Hektar wird Industriegeschichte zum Anfassen erzählt, alle Bauwerke sind zumindest teilweise begehbar und mit viel Liebe zum Detail restauriert. So bietet sich für den Geschichtsinteressierten nicht nur genügend echte Kulisse, sondern überall im Park und in der Ausstellung auch geologische Information, wie hier überhaupt auf sonst plattem Brandenburger Grund eine bergige Landschaft und damit ein Bergbau entstanden ist. Nebenan im aktiven Tagebau geht währenddessen der Abbau immer noch weiter, auch ihn kann man sich Dank der Führungen, die der Museumspark Rüdersdorf anbietet, genauer umsehen. Und entweder bei einer historischen Führung durch die Geschichte wandern, bei einer geologischen Führung auf Fossiliensuche gehen oder dem aktuellen Abbau ganz nah kommen, auf einer abenteuerlichen Land Rover Tour durch den aktiven Tagebau von Rüdersdorf.